Jazz Enfilade

Multiuse (Concert Hall, Commercial, Hotel)
Chicago, United States of America
2008-09

An dem Punkt, wo Chicagos stark verdichtetes Gebirge der Hochhäuser in die Horizontalität der Vorstädte, Highways und später der Prairie übergeht, an diesem Ort, wo das wochentags höchst beschäftigte Downtown sehr schnell zu einer sozial schwachen und baulich vernachlässigten Neighborhood wird, an diesem Ort des Wechsels soll ein Akzent gesetzt werden.

Das Bauprogramm, bestehend aus einem Hotel der gehobenen Mittelklasse und einer Abfolge von multifunktionalen und akustisch variablen Aufführungsstätten für Jazzmusik, ist vornehmlich ein „Nachtprogramm“. Es will an diesem Ort – besonders in den momentan noch eher ungemütlichen Abendstunden – Menschen versammeln, für Vitalität und Amüsement sorgen und fügt sich in die Jazztradition der Stadt ein, ergänzt sie: Einen mittelgroßen Saal, der zwischen 400 und 500 Leuten Platz bietet und über eine angemessene Akustik verfügt, gibt es in der Stadt nicht.

Der Baukörper folgt einem in Chicago typischen und dem hoch verdichteten Raster angemessenen Städtebau. Es entsteht ein prismatisches Gebäude, dessen footprint exakt den Ausmaßen des Grundstücks entspricht, ein weiterer kolossaler Block, dessen Höhe von knapp 90 Metern der Stadtsilhouette einen kurzen und späten, aber wichtigen Akzent verleiht.

Die Fassade des Gebäudes unterwirft sich mit ihrer stringenten Rasterung dem Pragmatismus Chicagoer Baukultur. Zwei massive Bänder umlaufen den Baukörper, von welchen das untere die Konzertsäle abzeichnet, und so schon im Stadtraum auf diese hinweist. Ein wenig abgemildert werden soll die herbe Strenge der Gebäudeaußenhaut zum einen durch diese Bänder, zum anderen durch ein dezentes Spiel: Die scharf geschnittenen Fensteröffnungen des Gebäudes weiten sich ab der zehnten Etage mehr und mehr auf, um mit ansteigender Höhe stetig den Blick auf den Lake Michigan frei zu geben.

Die Wahl des Materials der Gebäudeaußenhaut entspricht dem Einfügen in die Gebäudeumgebung. Aufgegriffen wird hier der lokale, meist grau dunkele Ziegel, der Chicago Brick. Rau und dekorlos gleicht er und der Umgang mit ihm dem Charakter der Jazzmusik.

Um dem im Stadtkontext vornehmlich integrativ angelegten Baukörper eine andere Geste entgegenzusetzen und ihn zu einem einmaligen Ort Chicagos werden zu lassen, verfügt das Gebäude über eine eigene, starke innere Struktur. Gespielt wird mit den Themen längs und quer, dem Übergang von dem einen zum anderen. Hierbei nimmt auch das Thema der Durchwegung in seiner Variation eine große Rolle eine: Eine vom Nachbarhaus kommende Passage wird im Erdgeschoss fortgeführt, im Konzertgeschoss zu einer Art Enfilade mit feierlichem Charakter umformuliert, um dann im siebten und achten Geschoss zu einer internen Hauptstraße und einem weiteren urbanen Zentrum des Gebäudes, zur Hotellobby, zu werden.

Jazz Enfilade and Hotel soll so einen positiven Einfluss auf die zukünftige Entwicklung dieses momentan noch als Randlage wahrgenommenen Ortes haben.